Funktion

3

Funktionsstörungen

Das Kauorgan kann nicht nur durch Karies, Parodontose oder Verletzungen erkranken. Es gibt auch durch verschiedene Faktoren ausgelöste Funktionsstörungen des Kauorgans und speziell der Kiefergelenke.

Oftmals sind neben Stress und schwierigen Lebensumständen Funktionsstörungen der Kiefergelenke und der Kaumuskeln die Ursache bestimmter Symptome wie Kopfschmerzen und Verspannungen, die auf den ersten Blick keinen Zusammenhang mit dem Kauorgan erkennen lassen.

Kopfschmerzen , Gelenk- und Muskelschmerzen, Gelenk knacken, Zähneknirschen können durch Fehlfunktionen der Kaumuskeln, Kiefergelenke und Zähne verursacht werden. Oft kommen mehrere Ursachen zusammen.

Neben wachstumsbedingten Schädigungen des Kiefers oder der Gelenke kann durch fehlende Zähne, schiefe Zahnstellung, schlecht sitzenden und verschlissenen Zahnersatz und andere Faktoren eine falsche Bisslage entstehen, die Schmerzen auslöst oder verschlimmert. Oftmals sind solche Unstimmigkeiten der Auslöser (Triggerfaktor) der Beschwerden. Nächtliches Zähneknirschen und Pressen ist – oft Stress bedingt – ein weit verbreitetes Phänomen , welches bei z.T. jahrelangem Fortbestehen große Schäden an Zähnen und Gelenken verursachen kann und häufig Auslöser für chronische Muskelverspannungen ist.

Sind stark abgenutzte Zahnflächen (Abrasionen) oder abgekauter Zahnersatz augenfällige Anzeichen, so kann durch eine sogenannte Funktionsdiagnostik die Art der Störung und deren Ursache ermittelt werden. Häufig wird dies auch bei grösseren Zahnsanierungen angewandt, um wieder einen harmonischen Biss zu erreichen.

Durch eine sogenannte Funktionsbehandlung kann der Zahnarzt die Beschwerden dann behandeln. Dazu werden Aufbiss schienen eingesetzt und ggf. Korrekturen an de Zähnen oder am Zahnersatz vorgenommen. Oftmals reicht schon eine relativ einfache Kunsttoffschiene für die Nacht zur Behandlung der Beschwerden aus.


Patienteninformation:

Über unser interdiziplinäres Behandlungskonzept der kraniofazialen Orthopädie für Patienten mit akuten und vor allem chronischen Muskel- und Gelenkschmerzen innerhalb und außerhalb des Kausystems.

Unter dem Begriff „CMD“ (craniomandibular disorders , schädel- und kiefer/gelenkbezogene Funktionsstörungen) fasst man heute hauptsächlich Schmerzen und Bewegungseinschränkungen des Kiefergelenks und benachbarter Strukturen zusammen, deren Ursache aber häufig ausserhalb des Kausystems liegt und deren Symptome sich vielfältig im Bereich des ganzen Körpers zeigen können. Daher hat auch häufig eine rein symptombezogene, nur auf den Ort des Schmerzes bezogene Therapie keinen nachhaltigen Erfolg , weil im Fall von chronischen Funktionsstörungen, die sich über einen langen Zeitraum entwickelt haben  , eine solche klassische Therapie alleine nichts an den Ursachen ändern kann.

Häufig kommen Patienten mit Kopf- und Gesichtsschmerzen,Nacken-Hals-Schulterschmerzen,Rückenschmerzen, Tinnitus und Schwindel zu uns Zahnärzten und  fragen : Hat dies alles etwas mit meinem Biss zu tun ?

Die Frage ist berechtigt , aus mehreren Gründen :

neurophysiologisch :

Affferente (zuführende, sensible ) Reize aus dem Zahnhalteapparat, den Kaumuskeln und den Kapseln der Kiefergelenke werden durch den Nervus Trigeminus und anschließende trigeminozerebrale Rezeptoren ans Kleinhirn weitergeleitet und gehen dort in die Gleichgewichtsregulation des Körpers im Schwerkraftfeld der Erde ein. Das Ergebnis der Gleichgewichtsregulation ist die Körperhaltung. Form- und Funktionsstörungen der Okklusion (des „Zusammenbisses „von Ober- und Unterkiefer durch die Zähne), der Kaumuskulatur und der Kiefergelenke können sich auf diesen neurophysiologischen Wegen belastend auf die Körperhaltung auswirken.

Der Kopf als Spitze der Wirbelsäule kann durch die Krafteinleitung der extrem starken Kaumuskulatur in den Hals- Schulter- und Rückenbereich  Körperfehlhaltungen und Fehlbelastungen auslösen und vorhandene Belastungen, z.B. durch ungünstige berufliche Arbeitshaltungen, verstärken. Solche chronischen Körperfehlhaltungen ihrerseits führen zu muskulären Dysbalancen und Hypertonien,  die Muskel- und Gelenkschmerzen auslösen können.

physisch – mechanisch :

beim Bruxismus  ( Knirschen und Pressen , wissenschaftlich: die Aktivierung der Kaumuskulatur bei aggressiven emotiven Verhaltensmustern, was sich in Knirschen und Pressen mit den Zähnen ausdrückt ) werden durch die Kaumuskulatur außergewöhnlich hohe Kräfte freigesetzt: 200 – 300 kp sind bei  nächtlichem Zähneknirschen gemessen worden. (zum Vergleich: 20-30 kp maximal sind beim Kauen erforderlich ). Solch  hohe Kräfte kommen im Leben eines Menschen sonst nicht vor. Diese enormen Kräfte, die unbewusst nachts für sehr lange Zeit auf Kopf und  Kiefer einwirken, belasten nicht nur die lokalen, sondern auch die  benachbarten Muskel – und Gelenkstrukturen im Kopf – Hals – Nacken- und Schulter- Arm- und Rückenbereich und können dort zu Muskel- und Gelenkschmerzen führen.

Das Kausystem ist nicht nur zum Kauen, Schlucken, Sprechen und Atmen da, sondern auch zum Verarbeiten von Stress. Jeder Mensch knirscht und presst tagsüber und nachts mit den Zähnen, um seinen Stress abzureagieren. Das ist ganz normal und überhaupt nicht krankhaft. Jeder macht dies mehr oder weniger stark – je nachdem, wie „stressig“ das Leben zur Zeit ist. Das Knirschen und Pressen ist also eine normale Funktion des Kausystems. Der Wiener Professor Slavicek sagt es so : „Das Kausystem ist vielmehr ein Stress- Verarbeitungsorgan als ein Kauorgan. Der Zahnarzt / Kieferorthopäde muss das Kausystem stressfähig machen.“

Auch Stress zu haben, ist normal. Im Stress wird der Körper innerhalb kurzer Zeit mit viel Energie überflutet, um extreme Situationen zu bewältigen Das Knirschen und Pressen gehört zur normalen Stressreaktion. Jeder Mensch knirscht und presst in der Nacht, wenn er träumt und auch in anderen Schlafphasen. Im Traum werden alltägliche Ereignisse – positive wie negative- verarbeitet. Wir müssen träumen, knirschen und pressen können, sonst würden wir psychischen Schaden erleiden. Träumen, Knirschen und Pressen sind also eine Art „Hygiene für die Psyche“.

Je nachdem, wie unsere derzeitigen Lebensbedingungen und unser Umfeld uns psychisch und körperlich belasten, kann jedoch auch die Stressreaktion des Knirschens und Pressens durch eine zu hohe Intensität ihrerseits zu den oben beschriebenen Schmerzsymptomen führen,  denn die hohen Kräfte aus der Kaumuskulatur, die sonst im Leben eines Menschen nicht vorkommen , müssen im Kausystem, im Nacken und weiter unten in der Wirbelsäule kompensiert werden. Diese hohen Kräfte wirken zudem besonders belastend, wenn der Biss nicht stimmt.

Im Gegensatz zur rein zahnärztlichen, klassischen CMD – Diagnostik und Behandlung orientieren wir uns in der sogenannten Kraniofazialen Orthopädie von vornherein an einer etwas umfassenderen Sichtweise des gesamten Systems Mensch. Dazu gehört die Differenzierung von Schmerzmechanismen entsprechend der modernen Schmerzphysiologie bzw. Schmerzmedizin in nozizeptive, neuropathische und psychogene Formen bzw. häufig auch  Mischformen.

Die Anamnese – Untersuchung dient in unserem Konzept darüber hinaus der Analyse von belastenden Lebensbedingungen wie Stress, Ernährungsfehler, Bewegungsmangel, Umweltbedingungen etc., woraus schon ersichtlich ist, dass die aktive Mitarbeit und Eigenverantwortung des Patienten gefordert und von entscheidender Bedeutung ist. Wenn wir uns vorstellen, dass alle verschiedenen Einflüsse und Belastungen, mit denen wir täglich konfrontiert werden, wie in einem Rucksack von uns „geschultert“ werden und sich im Laufe unseres Lebens immer mehr „Belastungssteine“ im Rucksack ansammeln, so ist dieser irgendwann zu voll und wir können ihn nicht mehr tragen oder das Tragen macht uns Beschwerden und schließlich krank.

Bei unserer umfassenden Anamnese und Diagnose wollen wir versuchen, mit unseren zahnärztlichen Mitteln und durch Mitwirkung und Eigeninitiative des Patienten, möglichst einige „Steine“ aus dem Rucksack wieder zu entfernen, damit man ihn wieder beschwerdefrei tragen kann.

Bei der Untersuchung das Kausystems steht an erster Stelle eine klinische Form- und Funktionsanalyse (auch mittels Kiefermodellen und Vermessung des Kiefer- Gelenkzusammenspiels und der Bisslage), um das Vorliegen und die Ausprägung von Form- und Funktionsstörungen festzustellen bzw. einzuschätzen . Besonders wichtig sind uns dabei Bruxismuszeichen wie: Schliff-Facetten, Zahneindrücke in Zunge oder Wange , Druckempfindlichkeit und Verspannungen / Verhärtungen der Kaumuskulatur, oder auch häufige Füllungs-/Zahnfrakturen oder Schäden an Zahnersatz wie Abplatzungen, Sprünge etc.

Zudem prüfen wir mit einfachen Screeningtests, ob ungünstige Belastungen aus der Augen- und Fussgewölbemuskulatur vorliegen. Für die Gleichgewichtsregulation des Körpers steuert das Kleinhirn die Stützmuskulatur besonders auch durch Input der Rezeptoren des Trigeminusnervs sowie aus den Augenmuskeln und der Fussgewölbemuskulatur . Belastender sinnlicher und propriozeptiver Input (Informationen aus Druckrezeptoren) führen zu Körperfehlhaltungen und möglicherweise in der Folge zu Muskel- und Gelenkschmerzen.

Daher können auch vertiefende Untersuchungen beim Orthopäden oder Podoätiologen, beim Optometriker, bei Physiotherapeuten oder Osteopathen ratsam sein , um nachhaltige Verbesserungen der Muskel- und Gelenkschmerzen zu erreichen. Wir wollen also nicht nur Befunde und Symptome im Kausystem erheben, sondern umfassend untersuchen, vor allem belastende Lebensbedingungen feststellen und versuchen, diese  zu eliminieren.

Haben wir also bei unserer Untersuchung Hinweise auf eine starke Belastung der Kopf- und Nackenmuskulatur durch hohe Muskelkräfte gefunden, so können wir aus zahnärztlicher Sicht durch eine spezielle Schienentherapie versuchen, diese hohen Kräfte zu unterbinden.

Mit Hilfe einer sogenannten Jig-Schiene kann der Tonus der Kau- und Nackenmuskulatur deutlich gemindert werden, weil durch diese Schiene Zähneknirschen und – pressen mit zu hohen Kräften vermieden wird. Die Jig-Schiene ist eine Oberkieferschiene, die auf Höhe der Schneidekante der oberen mittleren Schneidezähne einen Aufbisstisch (Jig) aufweißt, auf dem nur die unteren Schneidezähne Kontakt haben. Zur Verhinderung hoher Kräfte beim Knirschen und Pressen nutzt unser Konzept der Jig- Schiene ein neurophysiologisches Phänomen :Sobald der Trigeminusnerv spürt, dass nur die unteren Frontzähne Kontakt haben, erniedrigt er unmittelbar den Tonus der Kaumuskulatur auf eine Kraftentfaltung von lediglich 1-3 kp . Höhere Kräfte sind nicht notwendig, um mit den Frontzähnen z.B. von einem Apfel oder einem Brot abzubeissen. Über nervliche Verschaltungen des Trigeminusnervs mit den oberen HWS – Segmenten und dem N. Accessorius wird auch der Tonus der Nackenmuskulatur verringert.

Nur mit einer solchen Jig- Schiene können hohe Kräfte beim Knirschen und Pressen und damit Belastungen der Zähne , des Zahnhalteapparats,der Kaumuskulatur, der Kiefergelenke, der Schädelbasis, der Hals- Nackenmuskulatur und der Halswirbelsäule vermieden werden. Daher werden durch konventionelle Aufbissschienen oft zwar die unmittelbaren ungünstigen Belastungen der Zähne selbst vermieden, aber man kann mit fast gleich hoher Intensität weiterhin knirschen und pressen, und Muskel- und Gelenkschmerzen können weiterhin bestehen.

Daher gilt es grundsätzlich , bei folgenden Indikationen immer an die Notwendigkeit einer Jig- Schiene zu denken :

  • Kopf- und Gesichtsschmerzen
  • Migräne
  • Nacken-Schulter-Arm-Schmerzen (HWS-Syndrom)
  • Rückenschmerzen
  • Tinnitus und Schwindel

Auch kann zusätzlich – nach Jig-Schienentherapie mit  physiotherapeutischer oder osteopathischer Begleitbehandlung – die Anfertigung einer Stabilisierungsschiene (Michigan- oder Tannerschiene ) bei Patienten mit ausgeprägten Okklusionsstörungen angezeigt sein. Mit einer Stabilisierungsschiene kann der Zahnarzt für besseren propriozeptiven Input der Gleichgewichtsregulation sorgen, die Körperhaltung positiv verändern und somit für eine Entlastung der Stützmuskulatur sorgen. Die Herstellung von Stabilisierungsschienen basiert auf einer erweiterten Funktionsanalyse mit einer Registrierung der Unterkieferposition. Da die Unterkieferposition muskelgesteuert ist und starke anatomisch-funktionelle Vernetzungen aufweist ,  ist sie auch stark abhängig von Form und Funktion des umgebenden Faszien- und Muskelsystems. Deshalb steht vor einer solchen eventuellen Behandlung mit einer Stabilisierungsschiene immer eine Vorbehandlung mit der Jig-Schiene und häufig auch Physiotherapie / Osteopathie, um zunächst die hohen belastenden Kräfte aus dem Kausystem  und deren ungünstige Einflüsse auszuschalten.

Da wir es ja sehr häufig, wie oben beschrieben, mit unterschiedlichen ungünstigen Belastungen und Einflüssen zu tun haben, die meistens außerhalb des Kausystems zu finden sind – in erster Linie belastende Lebensumstände und Stress – ist die grosse Bedeutung der Mitarbeit und der Eigeninitiative des Patienten immer wieder hervorzuheben. Eine mögliche Verbesserung der Lebensgewohnheiten, Stress- Management-Training, Entspannungsübungen mithilfe von CDs  autogenem Training, usw. sind der Schlüssel zu einer dauerhaften Reduzierung und Verhinderung der chronischen Schmerzzustände, zusammen mit der  Therapie des Zahnarztes durch Schienenbehandlung, restaurative Behandlung und Zahnersatz oder Kieferorthopädie, ggf. Orthopädische Behandlung und Physiotherapie .

Die oben beschriebenen zahnärztlichen Leistungen der Funktionsanalyse und –Therapie und die spezielle Schienentherapie gehören nicht zum Leistungsumfang der gesetzlichen Krankenversicherung und sind daher für gesetzlich versicherte Patienten als Privatleistung abzurechnen, private Krankenversicherungen und ggf. Beihilfestellen übernehmen die Kosten im Rahmen ihrer Vertragsbedingungen bzw. der Beihilfevorschriften . Daher erstellen wir für die Funktionsanalyse und Schienentherapie vor der Behandlung einen Heil- und Kostenplan mit den voraussichtlich notwendigen Massnahmen und deren Kosten. Abhängig vom Umfang der notwendigen Therapieschritte und der  Diagnostik belaufen sich erfahrungsgemäss  die Kosten für Funktionsanalyse, Diagnostik und Jig- Schiene auf ca. 350-500,- EUR , bei einer Stabilisierungsschiene ist abhängig vom Umfang der Registrierungsmassnahmen mit einem ähnlichen Betrag zu rechnen.

Mit diesem erprobten und wissenschaftlich gestützten Behandlungskonzept können wir in den meisten Fällen chronische Schmerzen innerhalb und ausserhalb des Kausystems erfolgreich behandeln und für eine nachhaltige Verbesserung der Lebensqualität sorgen .


13

KONTAKT

Dr.Axel Schienbein

Im Hederichsfeld 47, 51379 Leverkusen

Telefon: 02171 - 15 56
Telefax: 02171 - 7929771

 

E-Mail: info@dr-schienbein.de

KONTAKT

Jörg Schienbein

Im Hederichsfeld 47, 51379 Leverkusen

Telefon: 02171 - 15 56
Telefax: 02171 - 7929771

 

E-Mail: info@dr-schienbein.de

SPRECHZEITEN

Mo.: 08.30 - 13.00 15.00 - 18.00
Di.: 08.30 - 13.00 15.00 - 18.00
Mi.: 08.30 - 14.00
Do.: 08.30 - 13.00 15.00 - 18.00
Fr.: 08.30 - 14.00
Termine nach telefonischer Vereinbarung